Konfliktmanagement mit dem MBTI verbessern

Konflikte vor dem Hintergrund verschiedener Persönlichkeitspräferenzen


Für viele meiner Kunden stellen Konflikte in ihrem beruflichen Alltag eine große Belastung dar. Wenn ich in meinen Seminaren und Coachings der Entstehung eben dieser Konflikte auf den Grund gehe, treten verschiedenste Konfliktursachen zutage.

Eine häufige Ursache ist das Aufeinandertreffen verschiedener Persönlichkeitstypen und der damit verbundenen Unterschiede. Diese können in der Art und Weise der Kommunikation, der unterschiedlichen Aufnahme und Verarbeitung von Informationen, als auch in der Entscheidungsfindung begründet liegen. Häufig bilden sie die Grundlage für Missverständnisse oder gar gegenseitige Unterstellungen und befeuern ein weiteres Fortschreiten von Konflikten.

Vor dem Hintergrund verschiedener Persönlichkeitspräferenzen oder Typen auf das Thema zu schauen, kann Teams und Führungskräfte dabei unterstützen Spannungen zu entschärfen, bevor es zu einer Eskalation kommt bzw. ein Konflikt entstehen kann. Die dabei entstehenden Erkenntnisse zu nutzen um besser auf die gegenseitigen Bedürfnisse einzugehen, kann helfen, unterschiedliche Ansätze als Möglichkeiten zum gemeinsamen Wachstum zu erkennen. Der Artikel: „Types and Sources of Conflict“von Adrian Miller von Psychometrics (hier frei übersetzt und ergänzt), gibt hilfreiche Hinweise darauf, wie das gelingen kann.

Konfliktursachen zwischen den Gegensatzpaaren und Tipps zum besseren Miteinander


Extraversion-Introversion

Konflikte zwischen diesen beiden Präferenzen drehen sich häufig um die Themen Geschwindigkeit vs. Genauigkeit sowie Flexibilität vs. Fokussierung. Menschen mit einer Präferenz für Extraversion glänzen mit einer hohen Arbeitsgeschwindigkeit. Sie entwickeln ihre Ideen im Gespräch mit anderen. Während dieser Gespräche wechseln sie zuweilen häufig die Richtung, bis ihre Gedanken klarer werden. Menschen mit einer Präferenz für Intraversion hingegen, lassen diesen Prozess im inneren ablaufen. Hierzu brauchen sie Zeit und Ruhe, müssen ungestört sein.

Diese gegensätzlichen Ansätze werden leicht zu Konfliktherden. Intraverts fühlen sich in ihrem Gedankenprozess durch das invasive Auftreten der anderen gestört. Extraverts interpretieren schnell Desinteresse in das Verhalten der Intraverts oder unterstellen gar bewusstes Vorenthalten von Informationen.

Tipps für ein besseres gegenseitiges Verständnis:

E`s: Fokussieren Sie sich auf einen Aspekt, bevor Sie in die Diskussion gehen. Widerstehen Sie der Versuchung, Ihr gegenüber in seinem Gedankenprozess zu unterbrechen.

I`s: Versuchen Sie Ihrem Gegenüber einen Hinweis darauf zu geben, dass Sie interessiert und bei der Sache sind. Stellen Sie wenn nötig Ihre Qualitäten als Zuhörer zur Verfügung und helfen so dabei, die Gedanken zu ordnen.

Sensing-Intuition

Konflikte zwischen diesen beiden Gegensatzpaaren entstehen häufig in Bezug auf die Frage, was eigentlich das Problem ist. Sind Entscheidungen zu treffen, geht es oft darum, ob man sich lieber auf Theorien oder die praktische Erfahrungen verlassen sollte.

Sensing-Types betrachten Probleme vor dem Hintergrund dessen, was tatsächlich passiert ist und fokussieren sich auf konkrete Ereignisse. Intuitive-Types sehen das Ereignis eher als Teil eines Musters, das aus ihrer Sicht das Problem ist.

Hier ein Beispiel: Innerhalb des Unternehmens gibt es eine Person, die beständig zu spät zu Meetings erscheint.

Sensing-Types würden schlicht versuchen, die Person zu veranlassen pünktlich zu sein. Intuitive-Types würden die Frage stellen, warum diese Person dieses Muster zeigt. Steht vielleicht der Wunsch nach Aufmerksamkeit dahinter oder hat die Person ein Problem mit Autoritäten?

Bei der Lösung von Problemen oder Konflikten vertrauen Sensing-Types auf Altbewährtes und wählen Strategien, mit denen sie bereits in der Vergangenheit erfolgreich gewesen sind. Intuitive-Types suchen theoretische Lösungsansätze und studieren Bücher und Theorien.

So ist es nicht verwunderlich, dass beide häufig mit dem Gedanken: „Du verstehst es einfach nicht!“ zurückbleiben und Gefahr laufen, in einen Konflikt zu treten.

Tipps für ein besseres Miteinander:

S’s: Fragen Sie sich: Sind die Verhaltensweisen oder Probleme Einzelphänomene oder sind Muster erkennbar? Versuchen Sie ggf. Gründe dieser Muster aufzudecken und das Problem bei der Wurzel zu packen.

N’s: Versuchen Sie nicht zu schnell zu viel in Situationen hinein zu interpretieren, bevor sie sich mit den konkreten Fakten auseinandergesetzt haben. Ihre Interpretationen könnten zu unberechtigten Fehleinschätzungen führen.

Thinking-Feeling

Diese beiden Gegensatzpaare geraten in Situationen in Konflikt, in denen es um der Suche nach der „richtigen Antwort“ vs. der Suche nach den Meinungen und Bedürfnissen der betroffenen Menschen geht. Eine gute Lösung sollte für Thinking-Types den Anspruch erfüllen, für alle gleichermaßen gerecht zu sein, während es Feeling-Types darum geht Lösungen zu finden, die den individuellen Situationen der betroffenen Menschen gerecht werden.

Dieser Art Lösungsvorschläge werden von Thinking-Types als irrational, inkonsistent und unlogisch interpretiert. Feeling-Types wiederum empfinden deren Entscheidungen als kalt und wenig emphatisch.

Tipps:

T’s: Fragen Sie sich, ob es notwendig und sinnvoll ist, die Bedürfnisse und Meinungen der Betroffenen einzuholen. Bleiben Sie diplomatisch, wenn Sie die „harte Wahrheit“ präsentieren.

F’s: Lassen Sie neben den Bedürfnissen der Menschen die Fakten nicht außer Acht. Betrachten und diskutieren Sie diese gemeinsam, um eine gute Entscheidung zu treffen, die beidem gerecht wird.

Judging-Perceiving

Zwei mit dieser Dichometrie verbundene Konflikte sind der Wunsch nach Struktur und Planbarkeit vs. dem Wunsch nach Flexibilität sowie dem Bedürfnis nach klarer Entscheidung vs. dem Wunsch sich die Dinge offen zu halten.

Judging-Types wünschen sich klare Ziele. So können sie planen, Strukturen und Zeitpläne schaffen, um diese zu erreichen. Sie wünschen sich Entscheidungen, damit sie die Dinge zum Abschluss bringen können. Ambiguität, Verzögerungen oder die Wiederaufnahme bereits abgeschlossener Entscheidungen stellen sie vor große Herausforderungen.

Perceiving-Types wünschen sich ebenfalls klare Ziele und eine Deadline. Auf dem Weg dorthin jedoch bleiben sie gern flexibel und halten sich verschiedene Optionen offen. Sie vertrauen darauf, dass sich die Dinge ergeben werden, wenn die richtige Zeit gekommen ist, auch ohne jedes Detail vorher zu planen. Durch Judging-Types fühlen sie sich oft gehemmt und unnötig limitiert.

Judging-Types fällt es schwer, darauf zu vertrauen, dass die Methode der Perceiving-Types genauso gut funktionieren wird, wie die ihre.

Tipps:

J’s: Entscheiden Sie situationsbezogen, ob Aufgaben oder Projekte einer sofortigen Handlung bedürfen oder etwas Zeit gegeben ist, um Alternativen auszuloten. Wiederstehen Sie dem Wunsch nach übermäßiger Kontrolle und vertrauen Sie auf die Kompetenz Ihres Gegenübers.

P’s: Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Verfahrensweise Nervosität auf der gegenüberliegenden Seite auslösen kann. Informieren Sie die Gegenseite regelmäßig über den Stand der Dinge und die Gründe für Ihr handeln.

Fazit


Das Wissen über verschiedene Persönlichkeitspräferenzen und deren Konfliktverhalten ist sowohl in der Führungskräfteentwicklung, als auch in der Teamentwicklung von unschätzbarem Wert!

Für mehr Informationen über den MBTI oder meine Seminare zum Thema Konfliktmanagement kontaktieren Sie mich!

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